|
| zurück | |
|
Oktober 2001 Hier klicken zum download einer gepackten RTF-Version (5 kB) |
Dr. Albert Platz |
|
|
Aktion "Jugend will
sicher leben" |
31.10.2001 |
|
|
Erstmals sind die Jugendlichen an dieser Schwelle auch mit allen Chancen und Risiken des Arbeitslebens massiv konfrontiert. Aus diesem Grund also müssen Lehrinhalte zum Arbeitsschutz in besonderer Weise an den Berufsschulen Berücksichtigung finden. Wir sind sehr dankbar, dass dies an den meisten Berufsschulen längst erkannt ist. Der messbare Erfolg des Wettbewerbs lässt sich zum Beispiel daran ablesen, dass wir bei den Schülern Jahr für Jahr eine Mitmachquote haben, die an sehr vielen Schulen schwindelerregende 100 Prozent erreicht. Der Erfolg der Aktion "Jugend will sicher leben" ist nun allerdings ein sehr zerbrechliches Gut. Denn jedes Jahr muss wieder neu gefragt und ausgearbeitet werden, welche Mittel und Wege geeignet sind, um Jugendlichen zu helfen, ihre körperliche Unversehrtheit in der Arbeitswelt zu bewahren. Mittel und Wege zum Arbeitsschutz leiten sich in gleicher Weise aus den Bedingungen der Arbeitswelt wie aus dem Selbstverständnis der Jugendlichen ab. Wir sind heute in einer Situation, wo die Jugendlichen in ein außerordentlich komplexes und damit schwer zu begreifendes Arbeitsumfeld geraten. Deshalb nützt es zunächst wenig, wenn an den Arbeitsplätzen grundsätzlich alle Möglichkeiten zu sicherem Arbeiten gegeben sind. Mit anderen Worten, an modernen Arbeitsplätzen ist weniger die vorhandene Technik das Problem, sondern es stellt sich die Frage, wie denn die komplexen Möglichkeiten der Sicherheitstechnik richtig genutzt werden können und müssen. Gleichzeitig ist bei den Jugendlichen eine große Bereitschaft und ein ausgeprägter Wille erkennbar, sich die Dinge nicht nur erklären zu lassen, sondern auch eine aktive Rolle einzunehmen, mitzudiskutieren, mitzugestalten und beeinflussen zu wollen. Vor diesem Hintergrund ist die Sicherheit im Straßenverkehr geradezu ideal geeignet, als Problemfeld das Verständnis einer alltäglichen Situation im Sinne der Aktion "Jugend will sicher leben" zu thematisieren, wenn nämlich diese alltägliche Situation plötzlich gefährlich wird. Der Straßenverkehr mit seinem hohen Gefährdungspotential steht hier stellvertretend für die Arbeitswelt, und sicher auch für manche und vielfältige Bereiche der Freizeitgestaltung. Stellvertretend haben wir als Arbeitsplatz das Auto gewählt. Zum einen finden wir hier nämlich eine komplexe Technik vor, die sich auch als komplexe Sicherheitstechnik mit allen möglichen Lenk- und Bremshilfen präsentiert. Und wie die Werbung suggeriert, dürften mit dieser Technik überhaupt keine Unfälle mit ernsthaften Personenschäden mehr passieren. Zum anderen ist das Auto gerade in der Zielgruppe der jugendlichen Berufsschüler ein hoch emotional besetztes Ding, mit dem man eben nicht nur von A nach B kommt, sondern mit dem man insbesondere anerkanntermaßen in die Welt der Erwachsenen kommt. Das Thema unserer Aktion ist deshalb also nicht die typische Frage aus der Fahrschule, "Welche Regeln habe ich als Teilnehmer im Straßenverkehr zu beachten". Gefragt wird vielmehr, "Wie trägt mein Umgang mit dem Fahrzeug und das eigene Verhalten zum Entstehen einer gefährlichen Situation bei?", und "Wie kann mein eigenes Verhalten eine gefährliche Situation entschärfen?". Dahinter steckt noch die tiefere Überlegung, "Was hat mich eigentlich zu meinem Verhalten in dieser Situation bewogen?". Hierzu werden in den Berufsschulklassen in den kommenden Monaten vielfältige Streitgespräche geführt. Wir geben in den Unterrichtsmaterialien Fakten und Thesen vor, wie zum Beispiel die Tatsache, dass 18jährige Fahrer überproportional an tödlichen Wegeunfällen beteiligt sind, und dass drei viertel der getöteten Jugendlichen männliche Jugendliche sind. Wir unterfüttern all dies mit einem Kurzfilm, einer Love-Story im Stil der Soap "Verbotene Liebe". Der Film endet wie die Statistik vorzugeben scheint, nämlich mit der schlichten Feststellung "Frauen sind eben doch die besseren Autofahrer". Dem darf und muss in den schulischen Diskussionen natürlich heftig widersprochen werden, wir wissen ja alle, dass bei der Kernfrage, "Was steuert dich, wenn du ein Auto steuerst", Frauen auf dem Beifahrersitz oder im Hintergrund oft genug eine herausragende Rolle spielen. Es wird im laufenden Schuljahr keine Schülerin und keinen Schüler einer Berufsschule geben, die nicht mit der Frage "Was steuert dich?" konfrontiert werden. Wir haben in einem Probelauf ein paar hundert Schüler vorab mit der Aktion befasst. Deren Meinung kann ich auszugsweise heute schon zum Besten geben: "Ihr von den Behörden und von der Politik habt ausnahmsweise unsere Welt getroffen, das sind unsere Probleme, darüber wollen wir reden". Wie Sie sehen, haben wir eine hohe Resonanz bei unserer Zielgruppe zu erwarten, und erwartet wird auch ein unmittelbarer Dialog mit unseren Schirmherren. Wir wollen dem im Ergebnis mit einer Bilanzveranstaltung zum Abschluss der Aktion im April 2002 gerecht werden. Diese Bilanzveranstaltung werden die Schüler im Wesentlichen selbst gestalten und ihre Sicht der Dinge mit Frau Dr. Schavan und Herrn Bodewig persönlich diskutieren. Dann werden auch die Bundessieger geehrt, weil sie das Thema der Aktion in besonderer Weise und besonders erfolgreich aufgegriffen und umgesetzt haben. Bis dahin wünsche ich der Aktion einen glücklichen Start und allen Beteiligten eine unfallfreie Zeit. |
||